Marktreporting KW 38

Sehr geehrte Anlegerinnen,
sehr geehrte Anleger,

die internationalen Aktienmärkte haben sich in den vergangenen Jahren insgesamt positiv entwickelt. Viele große Aktienindizes notieren weiterhin auf einem hohen Niveau oder in der Nähe ihrer bisherigen Höchststände. Gleichzeitig spiegeln die Kurse zahlreicher Unternehmen bereits hohe Erwartungen an die zukünftige Gewinnentwicklung wider.

Hohe Bewertungen bedeuten nicht automatisch, dass eine größere Korrektur unmittelbar bevorsteht. Aktienmärkte können auch von einem anspruchsvollen Bewertungsniveau aus weiter steigen. Je mehr zukünftiger wirtschaftlicher Erfolg jedoch bereits in den Kursen berücksichtigt ist, desto empfindlicher können die Märkte auf enttäuschende Unternehmenszahlen, eine schwächere Konjunktur oder unerwartete geldpolitische Entwicklungen reagieren.

Hinzu kommen erhöhte Finanzierungskosten, geopolitische Spannungen sowie Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren Entwicklung von Inflation und Zinsen. Auch Handelskonflikte, Veränderungen globaler Lieferketten und mögliche Schwankungen an den Energie- und Rohstoffmärkten können sich auf Unternehmensgewinne und Aktienkurse auswirken.

Das gegenwärtige Marktumfeld ist damit nicht grundsätzlich negativ. Es ist jedoch fragiler geworden und bietet weniger Sicherheitspuffer als Marktphasen, in denen Aktien nach deutlichen Kursrückgängen zu niedrigeren Bewertungen erworben werden konnten.

Anleihen sind wieder eine attraktive Alternative

Gleichzeitig hat sich die Ausgangslage an den Anleihemärkten grundlegend verändert. Während Anleihen und Geldmarktanlagen in der langjährigen Niedrigzinsphase kaum laufende Erträge boten, können sorgfältig ausgewählte Anlagen heute wieder attraktive Zinserträge erwirtschaften.

Damit steht für die Portfoliosteuerung wieder eine ernst zu nehmende Alternative zu Aktien zur Verfügung. Kapital, das vorübergehend nicht am Aktienmarkt investiert ist, muss nicht unverzinst auf einem Konto liegen. Es kann defensiver eingesetzt werden, laufende Erträge erzielen und dennoch für spätere Aktienkäufe verfügbar bleiben.

Dadurch fallen auch die Opportunitätskosten einer vorübergehend niedrigeren Aktienquote geringer aus als in früheren Niedrigzinsphasen. Zwar können Anleiheerträge eine starke Aktienhausse nicht vollständig ausgleichen. Sie sorgen jedoch dafür, dass das für den späteren Wiederaufbau vorgesehene Kapital während der Übergangsphase produktiv investiert bleibt.

Vorübergehende Senkung der Aktienquote

Vor diesem Hintergrund wurden die bestehenden Portfoliostrukturen, die aktuellen Bewertungsniveaus und das Verhältnis zwischen erwartbaren Chancen und bestehenden Risiken eingehend analysiert.

Als Ergebnis dieser Abwägung wird die Aktienquote in den betroffenen Portfolios vorübergehend auf eine definierte Ausgangsquote reduziert. Die frei werdenden Mittel werden zunächst in einem strukturierten Anleihen- und Liquiditätsportfolio angelegt. Anschließend wird die strategisch vorgesehene Aktienquote über einen Zeitraum von zwölf Monaten regelbasiert wieder aufgebaut.

Mit dieser Anpassung werden mehrere Ziele verfolgt: Die Schwankungsintensität der Portfolios soll zunächst reduziert, ein Teil der bereits erzielten Wertentwicklung gesichert und gleichzeitig ausreichend Investitionskapital für unterschiedliche zukünftige Marktentwicklungen bereitgehalten werden.

Die Maßnahme stellt ausdrücklich keine grundsätzliche Abkehr von Aktien dar. Beteiligungen an erfolgreichen Unternehmen bleiben ein zentraler Bestandteil des langfristigen Vermögensaufbaus und des Schutzes vor einem dauerhaften Kaufkraftverlust. Es geht daher nicht um einen vollständigen Ausstieg aus dem Aktienmarkt, sondern um eine zeitlich begrenzte Anpassung der Gewichtung.

Regelbasierter Wiederaufbau über zwölf Monate

Die strategisch vorgesehene Aktienquote wird anschließend über einen verbindlichen Investitionsplan wiederhergestellt. Die regulären Investitionen erfolgen grundsätzlich in festgelegten monatlichen Tranchen. Dadurch wird das Risiko reduziert, das gesamte verfügbare Kapital zu einem einzigen und möglicherweise ungünstigen Zeitpunkt zu investieren.

Die Käufe werden breit über unterschiedliche Regionen, Märkte und Sektoren verteilt. Für die einzelnen Portfoliobausteine gelten definierte Höchstgewichtungen. So soll verhindert werden, dass einzelne Märkte, Branchen oder Anlagethemen einen unverhältnismäßig großen Anteil des Portfolios einnehmen.

Der wesentliche Vorteil des regelbasierten Vorgehens liegt in seiner Unabhängigkeit von kurzfristigen Prognosen. Investitionsentscheidungen werden nicht von einzelnen Schlagzeilen, tagesaktuellen Marktschwankungen oder emotionalen Einschätzungen abhängig gemacht. Bereits im Vorfeld ist festgelegt, wie der Aufbau der Aktienquote unter unterschiedlichen Marktbedingungen erfolgt.

Ein Plan für unterschiedliche Marktentwicklungen

Der Investitionsprozess setzt nicht voraus, dass die Aktienmärkte in den kommenden Monaten fallen. Er berücksichtigt steigende und seitwärts laufende Märkte ebenso wie mögliche Korrekturen.

Bei seitwärts laufenden Märkten werden die vorgesehenen monatlichen Investitionen planmäßig durchgeführt. Auf diese Weise werden unterschiedliche Einstiegszeitpunkte genutzt, während das noch nicht in Aktien investierte Kapital weiterhin laufende Erträge im Anleihen- und Liquiditätsportfolio erwirtschaften kann.

Bei weiter steigenden Märkten wird die Aktienquote ebenfalls Monat für Monat erhöht. Die Portfolios bleiben damit von Beginn an am Aktienmarkt beteiligt und nehmen zunehmend an einer positiven Entwicklung teil. Sollten die Märkte während der Aufbauphase außergewöhnlich stark steigen, kann die Investitionsgeschwindigkeit innerhalb des vorgesehenen Handlungsrahmens kontrolliert erhöht werden.

In einem schnell und weitgehend ohne Unterbrechung steigenden Markt kann eine sofortige Vollinvestition dennoch die höhere Wertentwicklung erzielen. Dieses mögliche Opportunitätsrisiko lässt sich nicht vollständig vermeiden. Die laufenden Anleiheerträge können den Renditeunterschied jedoch teilweise abfedern.

Bei deutlich fallenden Märkten können niedrigere Kurse gezielt für zusätzliche Investitionen genutzt werden. Ergänzend zu den regulären Monatskäufen sind deshalb vorab definierte Sonderinvestitionen möglich.

Je stärker ein festgelegter Referenzmarkt gegenüber seinem vorherigen Höchststand zurückgeht, desto schneller kann die strategische Aktienquote innerhalb der geltenden Grenzen wieder aufgebaut werden. Dabei wird nicht versucht, den exakten Tiefpunkt einer Korrektur vorherzusagen. Stattdessen erfolgt der Einstieg schrittweise und nach klaren Regeln.

Kein Versuch des perfekten Market Timings

Die beschriebene Vorgehensweise ist keine klassische Market-Timing-Strategie. Sie beruht weder auf der Annahme, den nächsten Markthöhepunkt verlässlich erkennen zu können, noch auf der Erwartung, dass eine größere Korrektur zwingend bevorsteht.

Im Mittelpunkt steht vielmehr ein strukturierter Prozess, der für unterschiedliche Entwicklungen einen klaren Handlungsrahmen vorgibt. Bei einer normalen Marktentwicklung erfolgt der Aufbau planmäßig. Bei stärkeren Kursrückgängen kann er antizyklisch beschleunigt werden. Bei ungewöhnlich dynamisch steigenden Märkten besteht ebenfalls die Möglichkeit, die Investitionsgeschwindigkeit kontrolliert anzupassen.

Damit wird die weitere Portfolioentwicklung nicht von einer einzelnen Marktprognose abhängig gemacht. Gleichzeitig reduziert der feste Investitionsplan das Risiko, Entscheidungen unter dem Eindruck kurzfristiger Verluste, positiver Börseneuphorie oder tagesaktueller Nachrichten zu treffen.

Das Kapital bleibt produktiv investiert

Ein wesentliches Element der Anpassung besteht darin, dass die vorübergehend freigesetzten Mittel nicht unproduktiv an der Seitenlinie verbleiben. Sie werden in einem strukturierten Anleihen- und Liquiditätsportfolio eingesetzt, das je nach Vermögensverwaltung unter anderem Geldmarktanlagen sowie kurz- und mittelfristige Anleihen umfassen kann.

Auf diese Weise sollen während der zwölfmonatigen Aufbauphase laufende Erträge erwirtschaftet und zugleich ausreichend liquide Mittel für die vorgesehenen Monats- und Sonderkäufe bereitgehalten werden.

Die wieder attraktiveren Anleiherenditen schaffen damit einen Handlungsspielraum, der während der langjährigen Niedrigzinsphase kaum vorhanden war. Die vorübergehend defensivere Positionierung reduziert das Portfoliorisiko, ohne dass das für spätere Aktienkäufe vorgesehene Kapital vollständig auf laufende Erträge verzichten muss.

Chancen und Risiken bleiben ausgewogen

Auch ein regelbasierter Einstieg kann nicht in jedem Marktumfeld die bestmögliche Wertentwicklung erzielen. Steigen die Aktienmärkte während des gesamten Aufbauzeitraums stark an, kann das Portfolio zunächst hinter einer sofortigen Vollinvestition zurückbleiben. Die Erträge aus dem Anleihen- und Liquiditätsportfolio können diesen Renditeunterschied verringern, aber nicht zwingend vollständig ausgleichen.

Ebenso besteht keine Garantie, dass zusätzliche Käufe nach einem Kursrückgang kurzfristig Gewinne erzielen. Märkte können nach einem ersten Rückgang weiter fallen oder längere Zeit auf einem niedrigeren Niveau verbleiben.

Auch Anleihen sind nicht frei von Risiken. Abhängig von Laufzeit, Bonität und Ausgestaltung können insbesondere Zinsänderungs-, Kurs-, Kredit-, Liquiditäts- und Emittentenrisiken bestehen.

Das Ziel des Ansatzes besteht deshalb nicht darin, jeden Verlust auszuschließen oder unter allen Marktbedingungen die maximal mögliche Rendite zu erzielen. Vielmehr sollen Chancen und Risiken ausgewogener verteilt und die Portfolios in einem anspruchsvollen Umfeld robuster aufgestellt werden.

Fazit

Aktien bleiben langfristig ein unverzichtbarer Bestandteil des Vermögensaufbaus. Gleichzeitig treffen anspruchsvolle Bewertungen derzeit auf erhöhte wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheiten. Anleihen bieten dagegen wieder attraktive laufende Erträge und eröffnen damit neue Möglichkeiten für eine ausgewogenere Portfoliosteuerung.

Die Aktienquote wird deshalb vorübergehend reduziert. Die freigesetzten Mittel werden zunächst ertragsorientiert in Anleihen und liquiden Anlagen eingesetzt. Innerhalb von zwölf Monaten wird die strategisch vorgesehene Aktienquote anschließend nach einem festen und nachvollziehbaren Regelwerk wieder aufgebaut.

Das Vorgehen verbindet eine vorübergehende Begrenzung der Portfolioschwankungen mit der fortlaufenden Beteiligung am Aktienmarkt. Gleichzeitig bleiben Mittel verfügbar, um bei attraktiveren Kursen zusätzliche Investitionen vorzunehmen. Bei stark steigenden Märkten kann der Aufbau kontrolliert beschleunigt werden.

Nicht die Vorhersage des nächsten Börsentages steht dabei im Mittelpunkt. Entscheidend ist ein disziplinierter Investitionsprozess, der unterschiedliche Marktverläufe berücksichtigt, attraktive Anleihezinsen nutzt und die langfristige Ausrichtung der Portfolios bewahrt.

Wir wünschen einen schönen Sonntag.

Unsere Weekly News in Bild und Ton:

Marktüberblick
 

Die zurückliegende Börsenwoche stand weltweit im Zeichen einer spürbaren Zunahme der Unsicherheit. Nach den kräftigen Kursanstiegen der vergangenen Monate gerieten viele Aktienmärkte unter Druck, da Investoren zunehmend hinterfragen, ob die hohen Bewertungen angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen noch gerechtfertigt sind. Besonders die Kombination aus steigenden Ölpreisen, anhaltenden geopolitischen Spannungen und der Aussicht auf weiterhin hohe Zinsen sorgte für eine vorsichtigere Haltung an den Kapitalmärkten.

In den USA bewegte sich der S&P 500 über weite Strecken der Woche schwächer. Belastet wurde der Markt vor allem durch die Erwartung einer restriktiveren Geldpolitik der US-Notenbank. Nachdem die jüngsten Inflationsdaten höher als erhofft ausgefallen waren, stiegen die Markterwartungen für weitere Zinsschritte deutlich an. Gleichzeitig erreichten die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen zeitweise wieder die Marke von fünf Prozent und damit den höchsten Stand seit mehreren Jahren. Höhere Kapitalmarktzinsen wirken sich insbesondere auf Wachstums- und Technologiewerte negativ aus, weshalb vor allem der Technologiesektor Verkaufsdruck verspürte. Zusätzliche Unsicherheit entstand durch eine Debatte über die zukünftige Entwicklung der Künstlichen Intelligenz, nachdem führende Branchenvertreter eine Verlangsamung des Innovationstempos gefordert hatten.

In Europa …

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