Sehr geehrte Anlegerinnen,
sehr geehrte Anleger,
der Wandel im Anlageverhalten privater Investoren vollzieht sich leise, aber mit großer Konsequenz. Während früher die gezielte Auswahl einzelner Aktien als Inbegriff erfolgreichen Investierens galt, zeigt sich heute ein völlig anderes Bild: Immer mehr Anleger wenden sich vom klassischen Stock‑Picking ab und setzen stattdessen auf breit gestreute ETFs. Der Vanguard Portfolio Check 2026 macht diese Entwicklung greifbar. Mehr als 80 % der untersuchten Portfolios enthalten inzwischen ETFs, bei größeren Vermögen liegt der Anteil sogar deutlich über 90 %. Gleichzeitig verlieren reine Einzelaktienstrategien zunehmend an Bedeutung.
Diese Verschiebung ist kein Zufall und auch keine Modeerscheinung, sondern das Ergebnis eines langfristigen Lernprozesses an den Kapitalmärkten. Anleger haben erkannt, dass nachhaltiger Erfolg nicht primär davon abhängt, einzelne Gewinner zu identifizieren, sondern viel stärker davon, strukturelle Fehler zu vermeiden und Risiken gezielt zu steuern. Genau hier setzen ETF‑basierte Strategien an.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu sind eindeutig. Die regelmäßig veröffentlichten SPIVA‑Studien von S&P Dow Jones – ein international anerkannter Benchmark für den Vergleich von aktiven und passiven Strategien – zeigen seit Jahren ein klares Muster: Die Mehrheit der Anleger, die versuchen, den Markt durch gezielte Auswahl einzelner Titel zu schlagen, bleibt langfristig hinter einem breiten Marktindex zurück. In vielen Regionen und Zeiträumen betrifft das 70 bis 90 % der Marktteilnehmer. Mit zunehmender Anlagedauer wird dieses Ergebnis sogar noch deutlicher, sodass über längere Zeiträume hinweg ein sehr hoher Anteil der Anleger den Index nicht erreicht.
Auch unabhängige Analysen, etwa von Morningstar, bestätigen diese Entwicklung: Die langfristige Erfolgsquote von Anlegern, die versuchen, den Markt aktiv zu schlagen, ist niedrig. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil schafft es, über mehrere Jahre hinweg besser abzuschneiden als breit gestreute, indexbasierte Strategien. Entscheidend ist dabei nicht nur die absolute Erfolgsquote, sondern vor allem ein zweiter Befund: Selbst diejenigen Anleger, die kurzfristig erfolgreich sind, bleiben es in den seltensten Fällen dauerhaft. Untersuchungen zur „Persistenz“ zeigen, dass nur ein sehr kleiner Anteil langfristig zur Spitzengruppe gehört.
Was auf den ersten Blick wie Können erscheint, ist daher oft statistische Streuung oder schlicht Zufall. Für Anleger wird daraus eine zentrale Konsequenz sichtbar: Es reicht nicht, einzelne Erfolgsbeispiele zu betrachten – entscheidend ist die Wahrscheinlichkeit, diesen Erfolg selbst zu erreichen und vor allem dauerhaft aufrechtzuerhalten. Und genau diese Wahrscheinlichkeit ist im heutigen Marktumfeld äußerst gering.
Die Gründe dafür liegen tief in der Struktur moderner Kapitalmärkte. Diese sind heute so transparent, liquide und informationsgetrieben wie nie zuvor. Nachrichten, Unternehmensdaten und makroökonomische Entwicklungen werden in Echtzeit weltweit verarbeitet und in die Kurse eingepreist. Gleichzeitig konkurrieren Anleger nicht mehr nur untereinander, sondern mit einer Vielzahl hochprofessioneller Marktteilnehmer – von großen institutionellen Investoren bis hin zu algorithmischen Handelssystemen. In einem derart effizienten Umfeld wird es zunehmend schwieriger, systematische Informationsvorteile zu erzielen.
Ein weiterer struktureller Effekt verstärkt diese Entwicklung zusätzlich: Ein erheblicher Teil der langfristigen Marktrendite wird von wenigen, besonders erfolgreichen Unternehmen getragen. Wer diese nicht oder nur zu gering im Portfolio berücksichtigt, fällt automatisch hinter den Gesamtmarkt zurück. Genau hier liegt eine zentrale Schwachstelle vieler Einzelaktienstrategien. Die Herausforderung besteht nicht nur darin, „gute“ Unternehmen zu finden, sondern vor allem darin, konsequent diejenigen auszuwählen und zu gewichten, die den Markt langfristig dominieren werden – eine Aufgabe, die selbst unter idealen Bedingungen kaum verlässlich lösbar ist.
Hinzu kommt der vielleicht wichtigste Faktor überhaupt: das Verhalten der Anleger selbst. Emotionen spielen an den Kapitalmärkten eine größere Rolle, als viele annehmen. Gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit oder starker Kursbewegungen neigen Anleger dazu, von ihrer ursprünglichen Strategie abzuweichen – sei es durch vorschnelle Verkäufe oder durch impulsive Käufe nach starken Kursanstiegen. Studien zeigen, dass der Versuch, den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu treffen, selbst für sehr erfahrene Marktteilnehmer kaum erfolgreich ist. Genau hier entfaltet eine strukturierte, breit gestreute Strategie ihre Stärke, weil sie weniger anfällig für kurzfristige Entscheidungen ist und den Fokus auf das langfristige Ziel lenkt.
Der Blick zurück zeigt, dass Stock‑Picking nicht immer die gleichen strukturellen Nachteile hatte. In früheren Jahrzehnten waren Kapitalmärkte weniger effizient. Informationen waren schwerer zugänglich, wurden langsamer verbreitet und konnten von einzelnen Anlegern mit entsprechendem Know-how besser genutzt werden. Gleichzeitig war der Wettbewerb durch professionelle und technologische Marktteilnehmer deutlich geringer. In einem solchen Umfeld waren Fehlbewertungen häufiger und konnten gezielter ausgenutzt werden.
Heute hat sich dieses Umfeld grundlegend verändert. Die Digitalisierung und Globalisierung der Finanzmärkte haben zu einer nahezu vollständigen Informationsverfügbarkeit geführt. Preisunterschiede werden schneller erkannt und ausgeglichen, und der Wettbewerb um Rendite ist deutlich intensiver geworden. Die klassische Idee des Stock‑Pickings – durch Analyse die „bessere“ Aktie zu finden – ist dadurch nicht unmöglich geworden, aber strukturell erheblich erschwert. In diesem Sinne lässt sich durchaus sagen, dass Stock‑Picking zunehmend aus der Zeit gefallen ist.
Vor diesem Hintergrund verschiebt sich der Fokus moderner Anlagestrategien weg von der Prognose einzelner Titel hin zu einem ganzheitlichen Risikomanagement. Nicht mehr die Frage, welche Aktie sich am besten entwickeln wird, steht im Zentrum, sondern wie ein Portfolio so konstruiert werden kann, dass es unterschiedliche Marktphasen stabil durchläuft und unnötige Risiken vermeidet. Diversifikation, Disziplin und ein klar definierter strategischer Rahmen werden damit zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren.
Genau an dieser Stelle kommt die Rolle einer professionellen Vermögensverwaltung ins Spiel. Eine moderne, ETF‑basierte Vermögensverwaltung versteht sich nicht als Gegenentwurf zum Markt, sondern als strukturierter Weg, ihn effizient zu nutzen. Sie übernimmt die Aufgabe, ein Portfolio aufzubauen, das breit diversifiziert ist und konsequent an den individuellen Zielen sowie der Risikotragfähigkeit des Anlegers ausgerichtet wird.
Darüber hinaus bietet sie einen entscheidenden Mehrwert: die Kontrolle über das eigene Verhalten. Eine Vermögensverwaltung fungiert als objektiver, disziplinierter Partner, der emotionale Kurzschlussreaktionen vermeidet und sicherstellt, dass Entscheidungen nicht aus dem Moment heraus getroffen werden. Gerade in volatilen Marktphasen zeigt sich dieser Vorteil besonders deutlich. Während viele Anleger zu Überreaktionen neigen, sorgt eine klare, strategische Führung dafür, dass langfristige Ziele nicht aus dem Blick geraten.
Gleichzeitig stellt sie sicher, dass das Portfolio kontinuierlich überwacht und – wenn notwendig – angepasst wird, ohne dabei in kurzfristige Bewegungen zu verfallen. Risikomanagement wird so zu einem aktiven, fortlaufenden Prozess, der Stabilität und Planbarkeit in den Vordergrund stellt.
Der Trend weg vom Stock‑Picking hin zu ETF‑basierten Strategien ist daher mehr als nur eine Veränderung des Anlageinstrumentariums. Er steht für einen grundlegenden Wandel im Verständnis von erfolgreicher Geldanlage. Nicht die Auswahl einzelner Gewinner entscheidet über den langfristigen Erfolg, sondern die Fähigkeit, Risiken zu steuern, investiert zu bleiben und strukturelle Vorteile konsequent zu nutzen.
Oder anders formuliert:
Die Zukunft der Geldanlage gehört nicht mehr denen, die versuchen, den Markt zu schlagen – sondern denen, die ihn konsequent, diszipliniert und mit einem klaren Fokus auf Risikomanagement für sich arbeiten lassen.
Wir wünschen einen schönen Sonntag.
Unsere Weekly News in Bild und Ton:
In den USA setzte sich die positive Dynamik der vergangenen Wochen fort. Der S&P 500 erreichte mit rund 7.560 Punkten neue Höchststände und legte im Wochenverlauf moderat zu. Haupttreiber waren weiterhin die großen Technologieunternehmen sowie eine insgesamt robuste Marktstimmung, gestützt durch sinkende Renditen am Anleihemarkt. Die Rendite der 10‑jährigen US‑Treasuries fiel leicht in Richtung 4,4–4,5 %, was Aktien gegenüber Anleihen attraktiver erscheinen lässt. Politisch wurde die Woche vor allem durch geopolitische Entspannungssignale geprägt: Berichte über Fortschritte bei internationalen Konflikten, insbesondere im Nahen Osten, sorgten für Risikobereitschaft und unterstützten die Börsen. Gleichzeitig blieb die Geldpolitik ein Hintergrundthema, wobei die Märkte zunehmend davon ausgehen, dass die US‑Notenbank vorerst keine weiteren Zinsschritte nach oben vornehmen wird.
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