Marktreporting KW 35

Sehr geehrte Anlegerinnen,
sehr geehrte Anleger,

wer in dieser Woche lediglich auf die großen Aktienindizes blickte, konnte den Eindruck gewinnen, an den Börsen sei nicht besonders viel passiert. Der S&P 500 bewegte sich über weite Strecken in einer engen Spanne. Zwischen dem Schlusskurs des vergangenen Freitags und dem Donnerstagabend legte der amerikanische Leitindex lediglich rund 0,7 Prozent zu. Auch der Dow Jones zeigte sich vergleichsweise ruhig. Der technologielastige Nasdaq entwickelte sich etwas stärker, aber ebenfalls ohne den Eindruck eines außergewöhnlich turbulenten Gesamtmarktes. In Europa bewegten sich DAX und Euro Stoxx 50 ebenfalls überwiegend innerhalb ihrer zuletzt bekannten Bandbreiten.

Doch dieses ruhige Bild täuscht. Unterhalb der Indexoberfläche war die Woche von teilweise heftigen Kursbewegungen, deutlichen Branchenverschiebungen und einer hohen Nervosität bei einzelnen Unternehmen geprägt. Während sich Gewinner und Verlierer im Gesamtindex rechnerisch weitgehend ausglichen, mussten Anleger in einzelnen Bereichen Schwankungen verkraften, die weit über das hinausgingen, was die Bewegung der großen Indizes vermuten ließ. Der Markt war also nicht wirklich ruhig. Die Unruhe war lediglich ungleich verteilt.

Halbleiteraktien zwischen Verkaufsdruck und neuer Euphorie

Besonders deutlich wurde diese Entwicklung im Halbleitersektor. Bereits zum Wochenauftakt gerieten zahlreiche Chip- und Technologieunternehmen unter Druck. Am Montag verlor Micron Technology 5,8 Prozent, während AMD um mehr als 3 Prozent und Broadcom um über 2 Prozent nachgaben. Der breite US-Halbleiter-ETF SOXX fiel an diesem Tag um 2,7 Prozent. Auch Unternehmen aus angrenzenden Bereichen wurden erfasst: Seagate Technology verlor 6,5 Prozent, Sandisk rund 6 Prozent sowie Coherent und Lumentum jeweils mehr als 4 Prozent. Der S&P 500 gab gleichzeitig lediglich 0,28 Prozent nach, während der Dow Jones sogar 0,26 Prozent zulegte.

Damit zeigte sich bereits zu Beginn der Woche, wie unterschiedlich sich einzelne Marktsegmente entwickeln können. Während klassische Industrie-, Finanz- oder defensive Konsumwerte den Gesamtmarkt teilweise stabilisierten, wurden Technologie- und Halbleiterwerte verkauft. Steigende langfristige Zinsen, hohe Bewertungen und die Frage, ob die enormen Investitionen in künstliche Intelligenz schnell genug in Gewinne umgewandelt werden können, sorgten für Zurückhaltung. Gleichzeitig belasteten höhere Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten die Hoffnung auf eine rasche Entspannung bei der Inflation.

Anschließend drehte sich das Bild jedoch schlagartig. Nvidia veröffentlichte am Mittwoch nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen und übertraf die Erwartungen. Der Konzern meldete einen Quartalsumsatz von 96,22 Milliarden US-Dollar, während Analysten im Durchschnitt mit 92,27 Milliarden US-Dollar gerechnet hatten. Auch der Gewinn je Aktie lag mit 2,22 US-Dollar über der Konsensschätzung von 2,09 US-Dollar. Die Nvidia-Aktie reagierte am Donnerstag mit einem Kurssprung von 8,74 Prozent.

Die Bewegung war umso bemerkenswerter, weil Nvidia vor der Zahlenvorlage zunächst deutlich unter Druck gestanden hatte. Am Dienstag lag die Aktie zwischenzeitlich mehr als 7 Prozent unter dem Niveau der Vorwoche. Innerhalb weniger Handelstage wechselte die Stimmung somit von Skepsis zu neuer Euphorie. Ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehreren Billionen US-Dollar zeigte Kursbewegungen, wie man sie normalerweise eher von deutlich kleineren Gesellschaften erwarten würde.

Das Beispiel Nvidia verdeutlicht zugleich die besondere Struktur des heutigen Aktienmarktes. Aufgrund des hohen Indexgewichts kann die Kursbewegung eines einzelnen Unternehmens den S&P 500 und vor allem den Nasdaq sichtbar beeinflussen. Ein stabiler oder steigender Index bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Mehrheit der enthaltenen Aktien ebenfalls steigt. Es kann genügen, wenn wenige sehr große Unternehmen kräftig zulegen und dadurch Verluste in anderen Teilen des Marktes rechnerisch ausgleichen.

Softwareaktien bleiben eine Welt für sich

Auch bei amerikanischen Softwareunternehmen war die Nervosität groß. Rund um die Quartalsberichtssaison wurden für Unternehmen wie Okta, CrowdStrike, Salesforce, Veeva Systems, Snowflake und Marvell außergewöhnlich hohe Bewegungen erwartet. Der Optionsmarkt kalkulierte vor den jeweiligen Zahlen bei Okta beispielsweise mit einer möglichen Schwankung von rund 17 Prozent, bei Veeva Systems von knapp 14 Prozent und bei CrowdStrike von mehr als 11 Prozent. Diese Größenordnungen zeigen, wie unsicher Anleger derzeit einschätzen, ob hohe Wachstumsraten und ambitionierte Bewertungen auf Dauer zusammenpassen.

Am Freitagmorgen deuteten sich erneut deutliche Ausschläge an. Veeva Systems wurde vorbörslich zeitweise rund 15 Prozent höher gehandelt, während Fortinet um knapp 10 Prozent und Cloudflare um mehr als 7 Prozent zulegten. Auf der anderen Seite standen PayPal mit einem vorbörslichen Minus von rund 13 Prozent und Marvell Technology mit einem Rückgang von mehr als 8 Prozent. Da diese Bewegungen vor dem regulären US-Handelsbeginn stattfanden, können sich die endgültigen Tagesveränderungen noch deutlich davon unterscheiden. Sie zeigen aber, wie tief die Gräben innerhalb des Technologiesektors verlaufen.

Technologie ist damit derzeit keineswegs ein einheitlicher Block. Halbleiterhersteller, Cloudanbieter, Cybersecurity-Unternehmen und klassische Softwarekonzerne reagieren unterschiedlich auf Auftragseingänge, Margen, Investitionspläne und Zukunftsprognosen. Selbst innerhalb des KI-Umfelds wird stärker differenziert. Anleger fragen zunehmend, wer vom Ausbau der Rechenzentren unmittelbar profitiert, wer die hohen Investitionen zunächst finanzieren muss und bei wem die erhofften zusätzlichen Erlöse erst in einigen Jahren entstehen könnten.

Auch in Europa wird stärker unterschieden

Die unterschiedlichen Entwicklungen beschränkten sich nicht auf die USA. Am europäischen Aktienmarkt gehörten am Donnerstag beispielsweise Siemens Energy und Infineon mit Kursgewinnen von jeweils mehr als 2 Prozent zu den stärkeren Werten im Euro Stoxx 50. Auch Rüstungs-, Luftfahrt- und Finanzwerte wie Rheinmetall, Safran, ING und BNP Paribas verzeichneten zeitweise Kursgewinne. Dagegen standen unter anderem Aktien aus der Automobil-, Chemie- und Konsumgüterindustrie unter Druck. Volkswagen, BASF, Adidas und L’Oréal entwickelten sich schwächer.

Dahinter stehen sehr unterschiedliche wirtschaftliche Einflussfaktoren. Banken profitieren grundsätzlich von höheren Zinsen und steileren Zinskurven, solange sich die Kreditqualität nicht deutlich verschlechtert. Technologie- und Wachstumsunternehmen reagieren dagegen häufig empfindlicher auf steigende Renditen, weil zukünftige Unternehmensgewinne bei höheren Zinsen rechnerisch weniger wert sind. Automobilhersteller stehen wiederum unter dem Einfluss von Zöllen, internationalem Handel, chinesischem Wettbewerb und hohen Investitionen in neue Antriebstechnologien. Energie-, Infrastruktur- und Rüstungsunternehmen werden stärker durch staatliche Ausgaben, geopolitische Entwicklungen und langfristige Investitionsprogramme geprägt.

Auch die politischen Nachrichten der Woche wirkten deshalb nicht auf alle Unternehmen gleich. Neue Spannungen in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und Kanada unterstützten zeitweise amerikanische Stahlproduzenten wie Nucor, Steel Dynamics und Cleveland-Cliffs. Gleichzeitig sorgte die Aussicht auf höhere Zölle für Unsicherheit bei Automobilherstellern und Zulieferern. Was für einen heimischen Produzenten einen Wettbewerbsvorteil darstellen kann, bedeutet für einen international aufgestellten Konzern möglicherweise höhere Kosten und kompliziertere Lieferketten.

Der Index ist ein Durchschnitt, kein vollständiges Marktbild

Die zentrale Erkenntnis dieser Börsenwoche lautet daher: Ein Aktienindex ist immer nur ein Durchschnitt. Er fasst die Wertentwicklung vieler Unternehmen zu einer einzigen Zahl zusammen. Diese Zahl kann sehr ruhig aussehen, obwohl sich darunter erhebliche Verschiebungen vollziehen. Gewinne bei einigen sehr großen Unternehmen können Verluste zahlreicher kleinerer Aktien verdecken. Gleichzeitig können sich einzelne Branchen vollständig voneinander abkoppeln.

Für Anleger ist das zunächst kein Grund zur Beunruhigung. Schwankungen gehören zum Aktienmarkt und sind gerade bei wachstumsstarken Unternehmen normal. Problematisch wird es jedoch, wenn ein Portfolio stärker auf einzelne Aktien, Branchen oder Anlagethemen konzentriert ist, als es dem Anleger bewusst ist. Wer beispielsweise mehrere globale oder amerikanische Aktienfonds hält, kann dennoch mehrfach in denselben großen Technologieunternehmen investiert sein. Die Fondsnamen unterscheiden sich dann, die tatsächlichen Kurstreiber bleiben jedoch ähnlich.

Genau deshalb sollte ein Portfolio nicht ausschließlich danach beurteilt werden, ob es in einer ruhigen Woche leicht gestiegen oder gefallen ist. Wichtiger ist die Frage, wodurch die Entwicklung zustande gekommen ist. Wie hoch ist die Abhängigkeit von wenigen großen Unternehmen? Welche Branchen stabilisieren das Portfolio, wenn Technologieaktien unter Druck geraten? Wie wirken sich steigende Zinsen, höhere Energiepreise oder neue Handelskonflikte aus? Und passen die vorhandenen Risiken weiterhin zum Anlageziel und zum persönlichen Zeithorizont?

Die vergangenen Handelstage waren dafür ein gutes Anschauungsbeispiel. An der Oberfläche bewegten sich die großen Indizes nur moderat. Darunter fand jedoch ein intensiver Wettbewerb um Kapital statt: zwischen Technologie und defensiven Branchen, zwischen Wachstumsunternehmen und Substanzwerten sowie zwischen Unternehmen, die hohe Investitionen tätigen müssen, und jenen, die bereits unmittelbar davon profitieren.

Für langfristig orientierte Anleger lautet die Konsequenz nicht, jeder dieser Bewegungen hinterherzulaufen. Vielmehr unterstreicht die Woche den Wert einer breiten Diversifikation und einer bewussten Begrenzung von Einzelrisiken. Ein gut strukturiertes Portfolio kann nicht verhindern, dass einzelne Positionen stark schwanken. Es kann aber verhindern, dass die Entwicklung einer einzigen Aktie, einer Branche oder eines politischen Szenarios über den langfristigen Anlageerfolg entscheidet.

Wir wünschen einen schönen Sonntag.

Unsere Weekly News in Bild und Ton:

Marktüberblick
 

Die internationalen Aktienmärkte zeigten sich in der laufenden Kalenderwoche vom 24. bis 28. August insgesamt widerstandsfähig, wobei die Entwicklung regional und innerhalb einzelner Branchen sehr unterschiedlich ausfiel. Da die Börsen in Europa und den USA am Freitag noch geöffnet sind, beziehen sich die dortigen Angaben auf den Schlussstand vom Donnerstag.

In den USA startete der S&P 500 mit leichten Verlusten, erholte sich anschließend aber und lag am Donnerstag mit 7.731 Punkten rund 0,7 Prozent über dem Schlusskurs der Vorwoche. Deutlich stärker entwickelte sich der Nasdaq. Entscheidend waren die Quartalszahlen von Nvidia: Der KI-Chiphersteller übertraf die Erwartungen und gewann am Donnerstag 8,7 Prozent. Auch Salesforce und CrowdStrike stiegen nach überzeugenden Geschäftszahlen kräftig. Bemerkenswert war jedoch, dass nahezu alle übrigen Sektoren am Donnerstag nachgaben und der gleichgewichtete S&P 500 verlor. Die Indexstärke beruhte somit wesentlich auf wenigen großen Technologiewerten. Belastend wirkten zuvor hohe Anleiherenditen und Sorgen vor anhaltendem Inflationsdruck.

In Europa …

In Asien …

…. um mehr zu lesen, melden Sie sich einfach bei unserem Newsletter an!

Ihre persönliche Depotentwicklung können Sie über nachfolgenden Depotlogin einsehen:

Wichtiger Hinweise: Das FIMILIA Marktreporting (nachfolgende auch nur Marktreporting genannt) ist eine unverbindliche Marketingmitteilung der Finanzboutique Maximilian GmbH, die sich ausschließlich an in Deutschland ansässige Empfänger richtet. Er stellt weder eine konkrete Anlageempfehlung dar, noch kommt durch seine Ausgabe oder Entgegennahme ein Auskunfts- oder Beratungsvertrag gleich welcher Art zwischen der Finanzboutique Maximilian GmbH und dem jeweiligen Empfänger zustande.Die im Marktreporting wiedergegebenen Informationen stammen aus Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität wir jedoch keine Gewähr oder Haftung übernehmen können. Soweit auf Basis solcher Informationen im Marktreporting Einschätzungen, Statements, Meinungen und/oder Prognosen abgegeben werden, handelt es sich jeweils lediglich um die persönliche und unverbindliche Auffassung der Verfasser des Marktgreportings, die im Marktreporting als Ansprechpartner benannt werden.Die im Marktreporting genannten Kennzahlen und Entwicklungen der Vergangenheit sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Entwicklungen, so dass sich insbesondere darauf gestützte Prognosen im Nachhinein als unzutreffend erweisen können. Das Marketingsreporting kann zudem naturgemäß die individuellen Anlagemöglichkeiten, -strategien und -ziele seiner Empfänger nicht berücksichtigen und enthält dementsprechend keine Aussagen darüber, wie sein Inhalt in Bezug auf die persönliche Situation des jeweiligen Empfängers zu würdigen ist. Soweit im Marketingreport Angaben zu oder in Fremdwährungen gemacht werden, ist bei der Würdigung solcher Angaben durch den Empfänger zudem stets auch das Wechselkursrisiko zu beachten. Die Finanzboutique Maximilian GmbH bietet Ihnen als vertraglich gebundener Vermittler gemäß § 3 Abs. 2 WpIG für Rechnung und unter der Haftung der Innovative Investment Solutions GmbH, Heidelberger Straße 44, 64285 Darmstadt) die Anlageberatung und die Anlagevermittlung (§ 2 Abs. 2 Nrn. 3 und 4 WpIG) von Finanzinstrumenten im Sinne des § 2 Abs. 5 WpIG an. Die Innovative Investment Solutions GmbH ist ein Wertpapierinstitut und verfügt über die erforderlichen Erlaubnisse der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Weitere Informationen finden Sie in unserem Impressum.

Neueste Beiträge

IMMER UP TO DATE

Melden Sie sich zu unserem wöchentlichen Newsletter an

No spam, notifications only about new products, updates.