Marktreporting KW 3

Sehr geehrte Anlegerinnen, sehr geehrte Anleger,

im Januar überschlugen sich die Ereignisse im Iran – man könnte sagen das Land befindet sich am Siedepunkt. Wir wollen Ihnen kurz einordnen die neue Protestwelle enstanden ist, was die Aufständischen fordern und wie das iranische Regime reagiert.

Am 28. Dezember 2025 begannen Händler im Großen Basar von Teheran zu streiken, nachdem der Rial auf einen Rekordtiefstkurs (um 1,4 Mio. Rial je US‑Dollar) gefallen war – Importwaren verteuerten sich schlagartig, Lebensmittelpreise schossen hoch, und eine Anhebung subventionierter Benzinpreise verschärfte den Unmut. Aus dem ökonomischen Protest wurde binnen Tagen eine landesweite Bewegung mit klar politischem Ton.

Ökonomen verweisen auf Jahre der Misswirtschaft und Korruption, verschärft durch Sanktionen – zuletzt die Wiedereinsetzung von UN‑Sanktionen im September 2025 – sowie die Folgen des Zwölftagekriegs zwischen Israel und Iran im Juni 2025, der Infrastruktur und Vertrauen weiter beschädigte.

Inflationsraten um oder über 40 % und der Währungsverfall setzten breite Bevölkerungsschichten unter Druck.

Schon in den ersten Tagen sprang der Funke aus der Hauptstadt in zahlreiche Provinzen über; Universitäten und Marktplätze wurden zu Drehpunkten. Eine Timeline der Nachrichtenagenturen AP/WTOP zeichnet den raschen Protest‑Spread nach – begleitet von Rücktritten (u. a. Notenbankchef), ersten Toten, und schnell härterem Vorgehen der Sicherheitskräfte.

Ab 8./9. Januar 2026 verschärfte die Führung ihre Taktik: nahezu landesweiter Internet‑Blackout, massive Polizeipräsenz, Berichte über Schüsse mit scharfer Munition – Maßnahmen, die die Verifizierung von Opferzahlen extrem erschweren. Dennoch dokumentierten Amnesty International und Human Rights Watch in den ersten Tagen mindestens 28 getötete Demonstrierende und Unbeteiligte in acht Provinzen; seither sprechen verschiedene Quellen von mehreren Hundert bis mehreren Tausend Toten – mit erheblichen Spannweiten je nach Datengrundlage.

Die Vereinten Nationen traten am 15. Januar zu einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats zusammen. UN‑Vertreter warnten vor weiterer Eskalation, die USA signalisierten, „alle Optionen“ zu prüfen – während der US‑Präsident tags darauf andeutete, Hinrichtungen seien „ausgesetzt“, die Tötungen „stünden still“. Iran wies eine Einmischung zurück und sprach seinerseits von Gegenwehr im Fall eines Angriffs.

Was die Protestierenden wollen

Aus dem wirtschaftlichen Katalysator wurde sehr schnell ein Systemprotest: Parolen richteten sich gegen die geistliche Staatsführung und forderten „azadi“ (Freiheit) oder direkt den Sturz der Islamischen Republik. Teile der Bewegung knüpfen sichtbar an die 2022er „Frau, Leben, Freiheit“‑Uprising an, die mit dem Tod von Jina Mahsa Amini ihren Ausgang nahm – viele sehen die aktuellen Unruhen als Fortsetzung derselben strukturellen Auseinandersetzung, jetzt getrieben von ökonomischer Not.

Konkret fordern Aktivistinnen und Aktivisten: Beendigung der Repression, wirtschaftliche Entlastung (stabile Wechselkurse, bezahlbare Grundnahrungsmittel, Ende von Willkürsubventionen), Rechtsstaatlichkeit – und, je nach Spektrum, Transition zu einem demokratischen System.

Die Antwort des Staates: Härte, Abschottung, Einschüchterung

Dokumentiert sind schwere Menschenrechtsverletzungen: Schüsse mit scharfer Munition und Schrot, Massengewahrsam, Übergriffe in und an Krankenhäusern, erzwungene Geständnisse – ein Muster, das bereits 2019 und 2022 beobachtet wurde; neu ist die Breite und Wucht der Maßnahmen.

CHRI, Amnesty und HRW beschreiben systematische Gewalt; Schätzungen reichen – je nach Quelle – von Dutzenden über Hunderte bis weit über 2.000 Getötete; iranische Offizielle nannten gegenüber Journalisten zuletzt selbst Zahlen im niedrigen Tausenderbereich. Die exakte Zahl ist wegen des Blackouts derzeit nicht verifizierbar.

Taktisch stützt sich das Regime auf IRGC/Revolutionsgarden und die Basidsch‑Miliz: erstere direkt dem Obersten Führer unterstellt, mit zentraler Rolle in Sicherheit, Wirtschaft und Außenprojektion; letztere als landesweit verästelte Paramilitär‑Reserve mit Aufgaben von „Moralpolizei“ bis Protestniederschlagung. Beide sind für innere Abschreckung entscheidend – und erklären, weshalb Protestspitzen zwar aufflammen, aber häufig gewaltsam gebrochen werden.

Zum Repertoire gehören zudem Informations‑Kontrolle (Netzsperren, Drosselungen, Blockade internationaler Anrufe), präventive Festnahmen, Schnellverfahren sowie sichtbare Machtdemonstrationen (Gegenkundgebungen, Beisetzungen gefallener Sicherheitskräfte im Staatsfernsehen).

Einordnung: Warum diese Welle anders – und doch vertraut – ist

Im Unterschied zu 2022 (sozial‑moralischer Auslöser) steht diesmal das Ökonomische am Anfang; die Forderungen laufen aber am Ende auf System‑ und Freiheitsfragen hinaus.

Beobachter sprechen deshalb von der gefährlichsten Doppelkrise für die Republik seit Jahren: Legitimationsdefizit trifft Kaufkraftkollaps.

Die Tragweite entscheidet sich an drei Punkten:

  1. Dauer und Dezentralität der Proteste trotz Repression und Blackout,
  2. innere Kohäsion der Sicherheitsapparate (IRGC/Basidsch),
  3. ökonomische Entlastung – oder deren Ausbleiben. Vorerst spricht die staatliche Gewaltspirale dafür, dass die Führung die Straße kurzfristig niederhalten kann; die strukturellen Ursachen bleiben damit ungelöst.

Fazit für die Aktienmärkte

Die Iran‑Krise erhöht kurzfristig die Volatilität und Risikoaufschläge, treibt tendenziell den Ölpreis und verschärft damit Inflations‑ und Zinsunsicherheit, während Energie‑, Infrastruktur‑/Rüstungs‑ und Qualitäts‑Dividendenwerte relativ profitieren.

Ob aus der Risikoaversion eine echte Risk‑off‑Phase mit Kapitalflucht in Cash/US‑Staatsanleihen/Gold wird, hängt vor allem von Dauer und Eskalationsgrad ab. Vorallem weil dieser Konflikt die Straße von Hormuz, das wichtigste Nadelöhr für den Ölexport nach Asien (China, Indien, Japan), Westeuropa und in die USA, betrifft.

Deeskalation würde die Rotation rasch wieder abschwächen.

Wir wünschen einen schönen Sonntag.

 

Marktüberblick
 

Die Woche war weltweit von Politik (USA: Fed‑Unabhängigkeit, Regulierungssignale; Japan: mögliche Neuwahlen) und Inflationsdaten geprägt. In den USA wechselten sich Rekorde und Zwischenkorrekturen ab, Europa blieb stabil im „Wartemodus“ der EZB, und in Asien dominiert ein japanischer Hausse‑Impuls, während China/Hongkong weiter um Tritt ringen.

USA (S&P 500) – Die Wall Street startete mit neuen Rekorden in die Woche: Schon am Montag markierten S&P 500 und Dow erneut Allzeithochs, obwohl die Stimmung zunächst unter der eskalierenden Auseinandersetzung zwischen Weißem Haus und Federal Reserve (inkl. DOJ‑Ermittlungen gegen Fed‑Chef Powell) litt. Am Dienstag dämpften Bankzahlen (u. a. JPMorgan) sowie ein ganzer Strauß präsidialer Vorstöße – etwa die Forderung nach einem einjährigen 10‑%‑Deckel für Kreditkartenzinsen – die Kurse, der S&P 500 gab moderat nach. Gleichzeitig fiel der US‑CPI für Dezember im Kern mit +2,6 % J/J leicht unter Erwartung; das nährte die Hoffnung auf sinkende Teuerung, aber nicht auf sehr zeitnahe Zinssenkungen. Gegen Ende der Woche sorgten niedrigere Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und robuste Tech‑Laune wieder für Rückenwind. Politisch blieben die Märkte sensibel für die Unabhängigkeit der Fed und mögliche Tarif‑/Sanktionsschritte der US‑Regierung (u. a. gegenüber Iran); beides galt als potenzieller Volatilitätsfaktor.

In Europa …

In Asien …

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