Sehr geehrte Anlegerinnen,
sehr geehrte Anleger,
diese Woche haben sich Washington und Teheran in Genf getroffen und die Verhandlungen wieder aufgenommen. Zeit also einmal die aktuellsten Geschehnisse zusammen zu fassen:
Wie Washington und Teheran am Rand der Eskalation verhandeln
Während Diplomaten in Genf um Formulierungen ringen, marschieren auf See und in der Luft Verbände auf: Die USA und der Iran verhandeln wieder indirekt über das Atomprogramm – und zugleich wächst die Gefahr eines militärischen Zusammenstoßes im Persischen Golf. In der Schweizer Stadt sprach Irans Außenminister Abbas Araghchi von „ernsthaften“ Gesprächen und einem Verständnis über „Leitprinzipien“, ohne dass ein Durchbruch erzielt wurde; vermittelt wird durch den Oman, dessen Emissäre zwischen den Delegationen pendeln. Präsident Donald Trump setzte derweil öffentlich eine Frist von zehn bis fünfzehn Tagen und drohte, andernfalls würden „wirklich schlimme Dinge“ geschehen – woraufhin Teheran warnte, US‑Basen im Nahen Osten seien im Falle eines Angriffs legitime Ziele.
Die diplomatische Annäherung verläuft also im Schatten massiver Abschreckungssignale. Die USA haben zusätzliche Luft- und Seestreitkräfte Richtung Golf verlegt; Medienberichte sprechen von einer Präsenz, die ausdrücklich auch ein militärisches „Worst Case“-Szenario abdecken soll. Gleichzeitig demonstrierte der Iran Verteidigungsbereitschaft mit Manövern in der Straße von Hormus und kündigte – gemeinsam mit Russland – Marineübungen im Seegebiet von Oman an. Wie fragil die Lage ist, zeigte Anfang Februar ein Zwischenfall, bei dem sich IRGC‑Schnellboote und eine Drohne einem US‑geflaggten Tanker näherten; ein US‑Zerstörer eskortierte das Schiff aus der Gefahrenzone. Das US‑Verkehrsministerium reagierte tags darauf mit einem Sicherheitsrundschreiben an amerikanische Reeder: Möglichst nahe an Omans Hoheitsgewässern fahren, Boardings verweigern – aber nicht gewaltsam widerstehen. Die Märkte quittierten das Nervenflattern mit einem Preissprung beim Öl, als das Weiße Haus parallele „rote Linien“ formulierte und eine diplomatische Hängepartie drohte.
Inhaltlich bleibt die Nuklearfrage der Kern der Auseinandersetzung – und der härteste Brocken auf dem Verhandlungstisch. Washington drängt auf Null‑Anreicherung und dauerhafte Begrenzungen, Teheran pocht auf sein NPT‑Recht zur zivilen Nutzung der Kernenergie. Laut Analysen des Institute for the Study of War (ISW) ist die iranische Führung nicht bereit, die Urananreicherung grundsätzlich einzustellen; diskutiert würden inoffiziell allenfalls temporäre Stopps oder Übergangsmodelle – Vorschläge, die die US‑Forderungen nicht erfüllen. Parallel verweisen jüngste Auswertungen öffentlicher IAEA‑Befunde und Expertenschätzungen auf erhebliche Bestände von auf 60 % angereichertem Uran, die bei weiterer Anreicherung die Breakout‑Zeit senken könnten. Politisch bedeutsam: Die europäischen E3 hatten 2025 den Snapback‑Mechanismus im UN‑Sicherheitsrat gezogen – damit sind die zuvor aufgehobenen Sanktionen wieder in Kraft und das Iran‑Dossier bleibt auf der Agenda des Rates.
Ein zweiter Streitkomplex bleibt das Raketenprogramm. Die USA – unter starkem israelischem Druck – wollen Obergrenzen und Transparenz auch für ballistische Systeme, während Teheran das Thema zur roten Linie erklärt. Irans Führung signalisierte zuletzt demonstrativ, dass die „Besitzstandswahrung“ bei Raketen „nicht verhandelbar“ sei. Diese Asymmetrie der Maximalforderungen – Null‑Anreicherung auf der einen, Raketen‑Immunität auf der anderen Seite – erklärt, warum die Genfer Runden zwar „konstruktiv“, aber bisher ergebnisarm bleiben.
Während am Verhandlungstisch gerungen wird, zieht Washington die wirtschaftliche Schlinge enger. Das Außenministerium identifizierte unlängst eine Reihe von Tankern der iranischen „Schattenflotte“ als blockiertes Eigentum und belegte Händlernetzwerke mit Strafen, um Öleinnahmen zu kappen – die wichtigste Lebensader des Regimes. Das Finanzministerium sanktionierte zusätzlich ranghohe Funktionäre wegen Repressionen sowie erstmals iranisch verbundene Krypto‑Börsen, die als Sanktionsschlupflöcher gelten. Bereits Mitte Januar waren weitere Unternehmen und Einzelpersonen listiert worden – Teil der Strategie, Irans Exporterlöse zu minimieren. Debatten löste zudem ein Interview aus, in dem US‑Finanzminister Scott Bessent offen darlegte, wie eine künstlich verschärfte „Dollar‑Knappheit“ in Iran den Kursverfall des Rial und damit Proteste befeuert habe – eine Aussage mit erheblicher Sprengkraft für die innenpolitische Lesart der Unruhen.
Die Region bleibt der Resonanzraum der Eskalation. Im Jemen drohen die vom Iran unterstützten Huthi‑Milizen mit einer Wiederaufnahme von Angriffen auf die Schifffahrt im Roten Meer, sollte sich die Lage um Iran weiter zuspitzen – eine Drohkulisse, die Erinnerungen an die Angriffsserie 2023/24 weckt. In Sanaa berichten Anwohner kurz vor Ramadan von der Sorge, die USA könnten erneut Huthi‑Infrastruktur ins Visier nehmen, sollte Teheran ins Fadenkreuz geraten. Ein Überblick der Forschungsabteilung des US‑Kongresses zeigt, wie diese Attacken seit 2023 eine internationale Marinemission ausgelöst und erhebliche Umleitungen des Schiffsverkehrs bewirkt haben – mit globalen Lieferketteneffekten. Berichte aus der Region verweisen zudem auf geheimtagende Koordinierungsformate zwischen Irans Quds‑Brigaden und Huthi‑Führung für abgestufte Reaktionsszenarien; offizielle Bestätigungen dafür gibt es nicht, der Hinweis unterstreicht aber die Proxy‑Optionen Teherans.
Wie nah ist ein offener Krieg? Einschätzungen divergieren – doch mehrere Szenarien warnen vor einer mehrwöchigen Kampagne, sollte die Diplomatie scheitern. Das ISW konstatiert, dass die von Trump gesetzten „roten Linien“ bisher nicht erfüllt seien und Khamenei sowohl am Anreicherungs‑ als auch am Raketenkomplex festhalte – ein Befund, der die Hürden für einen Deal illustriert. Der CFR‑Konflikttracker ordnet die aktuelle Krise in die Nachwirkungen direkter israelisch‑iranischer Gefechte 2025 und in die jüngsten Proteste in Iran ein – beides Faktoren, die die Eskalationsspirale anfällig für Auslöser machen. Zugleich gibt es Nuancen im transatlantisch‑israelischen Lager: Während Washington trotz harter Rhetorik einen Deal nicht ausschließt, drängt Israels Regierung auf maximale Bedingungen, die Teheran mit hoher Wahrscheinlichkeit ablehnen dürfte – insbesondere beim Raketenarsenal.
Ausblick: In etwa zwei Wochen sollen die indirekten Gespräche fortgesetzt werden – entscheidend wird sein, ob kreative Modelle für eine zeitgebundene Anreicherungsbremse oder eine technisch überwachte Verifikationsbrücke zwischen „Null‑Anreicherung“ und Irans NPT‑Selbstverständnis auftauchen. Bis dahin dürfte das militärische „Signalling“ anhalten: weitere Präsenzmeldungen aus dem Golf, eventuelle Warnhinweise der US‑Seeschifffahrtsbehörden und eine nervöse Ölpreiskurve. Die nächsten Tage entscheiden, ob das Fenster für einen begrenzten Nuklearkompromiss offen bleibt – oder ob die Drohkulisse zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird.
Wir wünschen einen schönen Sonntag.
In der zurückliegenden Kalenderwoche prägten drei Treiber das Bild an den Börsen in den USA, Europa und Asien: (1) eine erneut nervöse Debatte um KI‑Disruption mit spürbarer Sektorrotation, (2) ein „hawkisher“ Ton in den FOMC‑Protokollen der US‑Notenbank, der Hoffnungen auf frühe Zusatz‑Zinssenkungen dämpfte, sowie (3) geopolitische Spannungen USA–Iran, die das Risikosentiment und zeitweise den Ölpreis beeinflussten.
In den USA verlief die Woche uneinheitlich: Nach einem schwachen Vorwochenfinish hielten sich die großen Indizes über weite Strecken in Spannen – belastet von einer breiteren KI‑Skepsis, die über Software hinaus auch Teile von Immobilien, Logistik und Finanzwerten erfasste. Anleger sortierten, wer in einem KI‑geprägten Umfeld tatsächliche Moats besitzt und wer Geschäftsmodellrisiken trägt.
Am Mittwoch lieferte das FOMC‑Protokoll (27./28. Jan.) die marktpolitische Note: Die Fed signalisierte eine „hawkish pause“, diskutierte eine zweiseitige Kommunikation der Risiken und stellte klar, dass weitere Lockerungen erst mit größerer disinflationärer Sicherheit kommen – was die implizite Wahrscheinlichkeit für eine März‑Senkung spürbar reduzierte. Entsprechend blieb die Kurserholung zaghaft und richtete den Blick auf die anstehenden PCE‑Inflationsdaten und Q4‑BIP‑Updates (Freitag), die als nächste Richtungstests galten.
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