Sehr geehrte Anlegerinnen,
sehr geehrte Anleger,
warum wir gerade jetzt über die Schlagzeilen hinaus schauen sollten ?
Wenn ein Konflikt wie der Iran‑Krieg die Nachrichten beherrscht, bündelt das unsere Aufmerksamkeit – zu Recht, denn jede Eskalation rund um die Straße von Hormus kann Energiepreise und damit Inflation und Zinsen bewegen.
Aber: Während Kameras und Kurse auf die Region blicken, passieren anderswo Entwicklungen, die ebenso entscheidend für Wirtschaft und Geldanlage sind. Es sind Entscheidungen zu Zöllen, Zinspfaden, Schifffahrtsrouten oder Förderquoten, die nicht jeden Tag auf der Titelseite stehen – aber in Summe Alltagspreise, Unternehmensgewinne und Portfolio‑Risiken prägen. Wer diese „Nebenmeldungen“ ignoriert, reagiert erst, wenn die Bewegung schon im Chart steht.
Daher möchten wir heute über 10 wichtige Themen sprechen, die wir abseits der aktuellen Schlagzeilen ebenfalls im Blick behalten:
1) US‑Zölle: Ein leiser, aber spürbarer Preistreiber
Seit 24. Februar gilt in den USA ein breitflächiger 10‑%‑Zoll (Section 122) für viele Importe. Auslöser war ein Urteil des Supreme Court, das eine frühere, aggressivere Zollbasis kassiert hat. Praktisch wirkt das wie eine zusätzliche Steuer auf importierte Waren: Viele Unternehmen zahlen mehr für Vorprodukte, Konsumgüter werden tendenziell teurer, Margen geraten unter Druck. Ökonomen quantifizieren bereits die Belastung für Haushalte und Firmen; Medien zeigen, wo Preise anziehen. Kurz: Handelsregeln könnten 2026 für die Inflation wichtiger werden als große Zinssenkungen.
2) USA: Zinsen bleiben Datenspiel – Inflation entspannt, aber nicht „durch“
Die US‑Notenbank (Fed) hat Ende Januar die Leitzinsen unverändert gelassen (3,50–3,75 %). Der Markt rechnet zwar mit Senkungen – aber nicht sofort. Zugleich lag die Inflation im Januar bei 2,4 % (Vorjahr; Kern knapp darüber). Am 11. März kommt der nächste Inflationswert; der entscheidet mit, ob die Fed im Frühjahr handelt oder wartet. Für Anleihezinsen, Aktienbewertungen und Dollar gilt: Daten schlagen Hoffnung.
3) Eurozone: Disinflation ja, aber Dienstpreise bleiben zäh
In der Eurozone stiegen die Schätzungen für Februar auf 1,9 %; die Kernrate (ohne Energie/ Lebensmittel) liegt bei 2,4 % – vor allem wegen Dienstleistungen. Das spricht eher für Vorsicht bei schnellen Zinssenkungen der EZB. Der grobe Pfad bleibt: langfristig Richtung 2 %, kurzfristig hängt viel an Löhnen, Energie und Fiskalpolitik. Für Anleger heißt das: europäische Qualitätstitel und solide Bilanzprofile sind reizvoller als Wetten auf „schnell viel billigeres Geld“.
4) Japan: Das Ende des ultralockeren Geldes – mit globalen Folgen
Die Bank of Japan hat die Ära negativer Zinsen und strenger Renditesteuerung hinter sich gelassen und hält den kurzfristigen Leitzins um 0,75 %. Die Sitzungen 18.–19. März und April gelten als „live“ – je nachdem, was die Lohnrunden bringen. Ein stärkerer Yen könnte den beliebten „Carry‑Trade“ (billig in Yen leihen, anderswo anlegen) teilweise umkehren. Das beeinflusst Kapitalflüsse, Risikoprämien – und macht japanische Finanzwerte spannender.
5) Energie: OPEC+ sendet Signal – der Engpass bleibt geopolitisch
Am 1. März hat OPEC+ eine kleine Fördererhöhung ab April (rund 206.000 Barrel/Tag) beschlossen. Das ist mehr Beruhigungssignal als echter Angebotsschub – denn die Preisbildung hängt derzeit stärker an der Sicherheit der Schiffspassagen im Golf. Für Portfolios spricht das für gezielte Absicherungen (z. B. moderat über Optionen) statt „Alles‑oder‑Nichts“-Wetten auf einen Ölpreis.
6) Seewege: Suez‑Rückkehr ist gut – aber sie kommt mit Nebenwirkungen
Die Rückkehr großer Containerdienste durch das Rote Meer/Suez verläuft schrittweise. Das spart Wochen an Zeit und viel Treibstoff – allerdings droht bei einem zu schnellen Wechsel Hafenstau in Europa, und die Frachtraten könnten fallen, weil wieder mehr effektive Kapazität im Markt ist. Für Importeure wäre das Margen‑Rückenwind, für Reeder eher Gegenwind. Wichtig: Es ist kein „Schalter umlegen“, sondern ein Übergangsjahr mit schwankenden Raten.
7) Panama‑Kanal: Erholt – aber noch nicht „wie früher“
Nach der Dürre 2023/24 ist der Kanal betriebsam, doch Transits und Tiefgänge werden vorsichtiger gemanagt als früher. Das betrifft Routen zwischen Atlantik und Pazifik – vor allem für Energie und für Waren, die über US‑Golf‑ und Ostküstenhäfen laufen. Unterm Strich: Weniger Drama als 2024, aber Planbarkeit und Kosten sind weiterhin Thema.
8) China: Mehr Stützen, keine Wunder
Zum Jahreswechsel kamen klarere Signale aus Peking, den Immobiliensektor zu stabilisieren. Internationale Institutionen rechnen 2026 mit rund 4,5 % Wachstum – weniger exportgetrieben, mehr konsumorientiert. Das bedeutet: Stabilisierung eher als Boom. Für Europa wichtig: Nachfrage nach Rohstoffen, Maschinen, Autos und Luxus dürfte solide, aber selektiv bleiben – die Umsetzung der Maßnahmen ist entscheidend.
9) US‑Gewerbeimmobilien: Büro bleibt der Problemfall
Die Zahlungsrückstände bei US‑Bürofinanzierungen liegen im Bereich von 11–12 % – viele Regionalbanken zeigen insgesamt robuste Bücher, aber 2026 steht ein großer Refinanzierungsberg an. Heißt: Logistik und Wohnimmobilien bleiben die stabileren Ecken, Büro erfordert weiter Vorsicht.
10) Ukraine: Der „Energiekrieg“ als Preissignal
Abseits der Frontmeldungen wurde im Winter die Energie‑Infrastruktur der Ukraine erneut massiv angegriffen – mit Blackouts und Notmaßnahmen. Das kann europäische Strom‑/Gaspreise und Industriekosten indirekt beeinflussen, vor allem bei erneuten Kälteeinbrüchen oder Engpässen. Ein Risiko, das selten groß berichtet wird, aber in Kostenkalkulationen gehört
Wer also „neben den Schlagzeilen“ die Ohren und Augen offen hält, erkennt die Weichenstellungen, bevor sie als große Kursbewegung sichtbar werden – und kann Portfolios ruhiger, gezielter und mit weniger Bauchschmerzen steuern.
Wir wünschen einen schönen Sonntag.
Der S&P 500 schloss die Woche schwächer (≈ −0,9 % am 3. März) und rutschte bis zum 5. März auf 6.830 Punkte (−0,56 %). Haupttreiber waren die Nahost‑Eskalation – US‑ und israelische Angriffe auf Iran, steigende Ölpreise und Risikoaversion belasteten besonders Tech‑Werte – sowie die daraus resultierende Flucht in sichere Assets.
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