Sehr geehrte Anlegerinnen und Anleger,
die US‑Notenbank hat am 10. Dezember 2025 ihren Leitzins erneut um 25 Basispunkte gesenkt und die Zielspanne damit auf 3,50–3,75 % gebracht – der dritte Schnitt in Folge und zugleich mit drei Gegenstimmen der wohl umstrittenste Schritt seit Jahren.
Gleichzeitig kündigte die Fed an, kurzfristige Treasury‑Bills zu kaufen, um die Reserven im Finanzsystem stabil „ample“ zu halten. Der Tonfall war klar: Lockerung, aber mit erhobener Augenbraue – ein „hawkish cut“, der die Option weiterer Schritte offen lässt, sie aber an harte Daten knüpft.
Dieses Vorsichtsprinzip hat Gründe. Durch den jüngsten Government Shutdown fehlen der Fed zentrale Inflations- und Arbeitsmarktdaten; offizielle CPI/PCE‑Berichte wurden verschoben, sodass sich die Währungshüter stärker auf Privatindikatoren wie den ADP‑Jobreport stützen mussten. In der Pressekonferenz betonte Jerome Powell die angespannte Balance zwischen Preisstabilität und Beschäftigung und verwies explizit darauf, dass Tarifpolitik derzeit spürbar zum Preisauftrieb beitrage – ein externer Impuls, der die Analyse erschwert und den taktischen Spielraum verkleinert.
Der 12‑Monats‑Pfad bleibt entsprechend gedämpft. Im Summary of Economic Projections (Dot‑Plot) signalisieren die Mitglieder nur eine weitere Senkung für 2026 (und eine für 2027), mit einem langfristigen Anker um 3 %. Zugleich wurden die Wachstumsprognosen für 2026 auf 2,3 % angehoben, während die PCE‑Inflation für 2026 auf 2,4 % gesenkt wurde; die Arbeitslosenquote soll bei rund 4,4 % verharren.
Auch die Sprache im Statement wurde subtil verschärft („extent and timing“), ein Code dafür, dass die Hürde für weitere schnelle Schritte zunächst höher liegt. Kurz: Datenabhängige Pause zum Jahresauftakt, danach behutsame Feineinstellung statt aggressiver Serie.
An den Märkten wurde der Mix aus vorsichtigem Cut und Liquiditätsstütze via T‑Bills positiv aufgenommen: Aktien schlossen nahe der Höchststände, Small Caps markierten Rekorde, während Langfrist‑Renditen nachgaben. Das unterstreicht, dass die Fed ihren Policy‑Zins zwar lockert, gleichzeitig aber versucht, Finanzierungsbedingungen kontrolliert zu entspannen, ohne die Inflationserwartungen zu entankern.
Unübersehbar ist der politische Kontext.
US‑Präsident Donald Trump hat öffentlich erklärt, er werde einen neuen Fed‑Vorsitzenden nominieren, der „sofort“ senkt; zugleich überschattete der Versuch, Fed‑Governor Lisa Cook zu entlassen, die Debatte um die Unabhängigkeit der Notenbank.
Historisch gilt: Je stärker kurzfristige politische Präferenzen die Geldpolitik dominieren, desto höher und volatiler tendiert die Inflation – ein Risiko, das die Fed sichtbar einkalkuliert. Diese Gemengelage erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed in den nächsten 12 Monaten noch vorsichtiger kommuniziert, strukturell aber am Dogma der Datenabhängigkeit festhält.
Fazit für die Zinslandschaft 2026:
Aus heutiger Sicht spricht vieles für eine Warteschleife im frühen Jahresverlauf und maximal eine weitere moderate Senkung im Rest des Jahres – sofern der Arbeitsmarkt weiter nachgibt und die tarifgetriebenen Preisschübe nicht nachhallen.
Der neue Fed‑Chair (Nominierung erwartet im Januar) könnte die Kommunikation verändern, doch der Pfad bleibt vom Datenfluss bestimmt: Arbeitsmarktberichte, nachgeholte CPI/PCE‑Daten, sowie die Frage, ob sich die Tarifinflation als einmaliger Level‑Shift oder als dauerhafter Trend entpuppt.
Die Sprachregelung der Fed („extent and timing“) und der aktuelle Dot‑Plot setzen dafür den Rahmen.
Wir wünschen einen schönen Sonntag.
Montag3
China
Die Exporte haben im November dank einer Entspannung im Zollstreit mit den USA überraschend stark zugelegt. Sie wuchsen im Jahresvergleich um 5,9 Prozent, wie die Zollbehörde am Montag mitteilte. Im Vormonat waren sie noch um 1,1 Prozent geschrumpft. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem Plus von 3,8 Prozent gerechnet. Die Importe stiegen dagegen nur um 1,9 Prozent und verfehlten damit die Erwartungen der Experten von 3,0 Prozent. Der Handelsüberschuss belief sich auf 111,68 Mrd. USD nach 90,07 Mrd. im Vormonat.
Deutschland / Handel
Der deutsche Einzelhandel hadert auch vor dem zweiten Advent mit seinem Weihnachtsgeschäft. In einer Umfrage unter rund 300 Unternehmen zeigten sich nur 22 Prozent zufrieden, 58 Prozent dagegen unzufrieden, wie der Handelsverband HDE mitteilte. “Das war noch nicht der erhoffte Durchbruch, die Auswirkungen der schlechten Konsumstimmung sind nach wie vor deutlich spürbar”, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.
Deutschland / USA
Mit ihrem neuen Strategiepapier haben die USA nach Einschätzung deutscher Politiker die Unterstützung für Europa aufgekündigt. “Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stehen die USA nicht mehr an der Seite der Europäer”, sagte der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen dem “RedaktionsNetzwerk Deutschland”. Die USA stünden auch nicht mehr an der Seite der Ukraine, gegen die ein brutaler Vernichtungskrieg geführt werde. Zudem zeige sich, dass es Ziel der USA sei, sich in die inneren Angelegenheiten der europäischen Staaten einzumischen.
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